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Schwarmintelligenz: nicht alles was schwärmt, schwärmt intelligent.

By 15. Dezember 2020Februar 26th, 2021Blog

Schwarmintelligenz: nicht alles was schwärmt, schwärmt intelligent.

Ich beobachte gerne die Natur, weil sie schon vieles gelöst hat, vor dem wir manchmal noch wie der Ochs vorm Berg stehen. Dabei dient die Natur als Ideengeber. Wie und was wir davon integrieren, hängt von uns ab.
Schwarmintelligenz ist so eine faszinierende Lösung. Die Intelligenz des Schwarmes zieht Forscher an, wie Motten das Licht. Denn der Schwarm ist etwas ganz Spezielles, ein nahezu „eigenständiges großes Einzelwesen, bestehend aus vielen einzelnen Lebewesen“. Die Stare tun´s, die Ameisen, Heuschrecken, auch Graugänse und der Hering.

Was macht einen Hering, der für sich alleine genommen nicht gerade eine Intelligenzbestie ist, so erfolgreich? Warum lässt der Anblick einer Termite jeden Hausbesitzer erschaudern?

Die Masse macht´s. Die Masse besitzt Kräfte, Fähigkeiten und Eigenschaften die weit über die des Einzellebewesens hinaus gehen. Und diese Masse an Organismen, der Schwarm, besitzt eine besondere Intelligenz, die Schwarmintelligenz.

Sie ist eine Weiterentwicklung der Selbstorganisation, so zu sagen die „advanced Edition“. Selbstorganisation ist ein Grundprinzip der Evolution.

Schwarmintelligenz die Königsdisziplin. Es ist ein Evolutionsrezept in einer sich ständig verändernden, unsicheren Welt.

Um intelligent zu schwärmen, bedarf es Lebewesen, die in der Lage sind ganz offen und unvoreingenommen, idealerweise ohne Wertung und Urteil, ihre individuellen Fähigkeiten nutzen, um Informationen zu sammeln. Sie sammeln dabei im ersten Schritt unabhängig voneinander, was sie wahrnehmen. Ob alt, ob jung, männlich- weiblich, Großeltern oder Enkel, Verwandt oder noch nie gesehen…. Jedes Lebewesen nimmt auf Grund seiner individuellen Eigenschaften Situationen anders wahr, als der Nachbar. Was manchmal in der menschlichen Welt zu Diskussionen führen kann, ist für die Fähigkeit intelligent zu schwärmen absolut notwendig, ja es macht intelligentes Schwärmen überhaupt erst möglich.
Im zweiten Schritt werden die von den einzelnen Individuen gesammelten Informationen in sozialen Interaktionen zusammengeführt und verarbeitet. Es wird wie wild kommuniziert.
Das mündet anschließend in der Lösung eines kognitiven Problems.  Schwärme verfolgen ein gemeinsames Ziel. In der Natur ist dieser Zusammenhalt oft primär mit dem Überleben und Fortbestand sichern gekoppelt, sodass sich diese Individuen zusammenschließen um zu überleben: Erfolgsrezept – Hering im Schwarm. Der Schwarm gibt unter anderem Schutz und hat praktischerweise gleich nebenan den passenden Fortpflanzungspartner. Was will man mehr als Hering?
Dabei ist für einen Schwarm charakteristisch: es existiert keine zentrale Organisation, die das alles koordiniert. Jedes einzelne Individuum orientiert sich an seinen sieben Nachbarn. Wobei die Nachbarn durch die hohe Dynamik auch immer wieder wechseln. Es erfolgt permanent ein Austausch und Abgleich von Informationen, die sich wellenartig durch den gesamten Schwarm ausbreiten. Das ermöglicht nicht nur eine hohe Flexibilität im Umgang miteinander, sondern auch eine hohe Flexibilität im Umgang mit den Ereignissen in der Umgebung. Möglicherweise schaukelt sich dieser Vorgang auch gegenseitig hoch, was man als lernen bezeichnen kann. Trotz der räumlichen Nähe zueinander wird im Schwarm darauf geachtet Kollisionen zu vermeiden. Sowohl physisch, als auch psychisch bleibt jedes Schwarmmitglied eigenständig und unabhängig.

Diese Beobachtungen führten schon dazu, dass es mittlerweile kleine Roboter- Grüppchen gibt, die wie ein Schwarm agieren und Menschen aufspüren können, zum Beispiel Verletzte in schwer zugänglichen Gebieten.

Jetzt zu uns: Sind Menschen in der Lage intelligent zu schwärmen? Ja! Haben sie die Voraussetzungen? Ja! Tun sie es?

Gustave Le Bon nahm sich schon 1895 dieser Frage an und sein Buch: „Psychologie der Massen“ ist aktueller denn je. Lesenswert! Es beschreibt in beeindruckender Weise, wie es da um den Menschen bestellt ist. Die Fähigkeit wird nicht wirklich genutzt. Der Mensch schwärmt zwar, doch nicht unbedingt intelligent. Wir haben demnach noch ungenutztes Potential. Cool! Es ist noch Luft nach oben.

    Warum ist das mit dem Schwärmen so schwer?

Hier noch mal die Voraussetzungen um intelligent zu schwärmen:

  • Erkenntnis: Jeder ist einzigartig aber nix besonderes
  • Gemeinsames, übergeordnetes „Ziel“
  • Kenntnis seiner individuellen Fähigkeiten
  • Offene Wahrnehmung
  • frei von Urteilen und Bewertung
  • Ständiger Austausch – ständige Kommunikation- ständig neue „Gesprächspartner“
  • Jeder ist gleichwertig- frei von Hierarchie
  • Physisch und psychisch eigenständig
  • Räumliche Nähe- physischer Kontakt, doch keine Kollision
  • Hohe Flexibilität im Umgang miteinander

Was ist notwendig um da hin zu kommen?

Welche Bedingungen müssen geschaffen sein, damit eine Gruppe von Individuen intelligent schwärmen kann? Was ist hinderlich? Die Natur mit ihren Gesetzen fördert Schwarmintelligenz, denn sie ist Evolution. In ihrer Beobachtung liegt der Schlüssel.  . . .was steht im Weg?

Nebenbei: Eine der Eigenschaften die alle Heringe besitzen sind Schuppen, die das Licht so brechen, dass jeder Hering wie ein Spiegel wirkt. Ein einzelner Hering fällt natürlich auf, wenn er da so alleine rumspiegelt, und würde Fressfeinde eher anlocken. Doch in der Vielzahl des Schwarmes wirken diese Lichtreflexe auf Heringsräuber sehr verwirrend. Egal wie sich der Räuber bewegt, er wird immer wieder geblendet und verliert die Orientierung. Ein Räuber kann im Schwarm nur dann erfolgreich Beute machen, wenn es ihm gelingt den Schwarm zu teilen oder Teile abzuspalten.

Spannend die Natur- nicht wahr?

Deine Stefanie

Re-Evolution-Code

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